CAD ist in der Konstruktion nicht mehr weg zu denken. In modernen Betrieben ist das CAD tief in den Fertigungsprozess eingebunden bis hin zur CNC Steuerung und anderen komplexen Integrationen. Insbesondere für die Erstellung von Stücklisten und Fertigungsvorlagen werden die Daten oft direkt aus dem CAD gewonnen.
Was liegt näher als die Konfiguration von Produktdaten für den Vertrieb (z.B. Angebotserstellung) auch CAD-basiert zu betreiben? In der Realität sind solche Lösungen aber oft aus verschiedenen Gründen nicht ideal für Vertrieb und Kundenservice:
Zuerst und grundsätzlich ist die Sichtweise auf das Produkt aus produktionstechnischer oder Konstrukteurssicht meistens ganz anders als die vertriebliche Sicht. Es ist nicht damit getan, eine Stückliste anders zu gruppieren und einen Preis daran zu schreiben, um ein ansprechendes und erfolgreiches Angebot zu generieren. Der Vertrieb will Fotos, Grafiken und spezielle vergleichende Tabellen optisch ansprechend im Angebotsdokument haben. Die vertriebliche Preisdefinition ist oft auch nach anderen Kriterien aufgebaut oder muss zumindest anders dargestellt und “hingerechnet” werden.
Schlimmer noch: Der Vertrieb hat Laptops, die ein CAD basiertes System nicht “aushalten” – und der Vertriebsprozess wäre zu langsam, wenn man erst den CAD-Spezialisten in den Prozess hinzuziehen müsste. Dazu kommen noch die evtl. teueren Lizenzen für die Basissysteme usw. usw. Es ließen sich sicherlich noch andere Argumente finden.
Aus diesen Gründen haben sich auf dem Markt Konfiguratoren etabliert, welche ein Konfigurations- und Prozessmodell abbilden können, das viel näher am vertrieblichen Erfordernis positioniert ist: d.h. Grafiken von 2- bis 3D und Fotodarstellungen bis hin zur Simulation können über spezielle Viewer eingebunden werden. Es lassen sich hoch strukturierte Dokumente erzeugen, die weit über das übliche tabellarische Angebot hinausgehen. Diese Systeme können und sollten natürlich in die bestehende Systemlandschaft eingebunden werden und Daten aus dem ERP sowie dem bestehenden CAD Systemen mitverwenden. Das ergibt sich schon aus Kostengründen, um Daten nicht mehrfach zu halten und zu pflegen.
Der Effekt, dass auch weniger technisch versierte Mitarbeiter komplexe Produkte mit einem Tool erstellen können, ist so groß und positiv, dass es sich absolut auszahlt, dem Vertrieb ein eigenes Tool zu geben, das seine Erfordernisse in besonderer Weise berücksichtigt.
Diese Lösungen haben auch den Vorteil, leicht in das Web portiert werden zu können, weil man ja bei B2C- oder B2B-Kunden keine spezifische Systemlandschaft voraussetzen kann.
Für sehr grafisch orientierte Produktmodelle verwendet man die Grunddaten aus dem CAD-System und bindet sie über spezielle Viewer ein. Dann können auch CAD ähnliche Funktionen wie das grafische Komponieren von anzubietenden Systemteilen am Bildschirm realisiert werden. Somit werden damit auch stark visuell oder planerische Anforderungen abgebildet.
Das Ergebnis ist sozusagen „CAD light“ für Kunden und Vertriebler…

Montag, 25. Januar 2010 um 10:50
[...] Neulich haben wir mit einem Branchenspezialisten als Partner eine neuartige Kalkulationslösung für die Zulieferindustrie programmiert. Die Herausforderung war diesmal nicht, ein komplexes Produktmodell abzubilden. Denn in diesem Industriezweig geht für jeden Kunden immer eine Neuanfertigung in Serie, die nicht aus gleichen Einzelteilen oder Baugruppen besteht. Ansonsten wäre die Lösung gewesen, aus Einzelteilen und Baugruppen eine Neuanfertigung zu konfigurieren (z.B. “CAD light“). [...]