Im Zusammenhang mit einer Präsentation bei einem Kunden bin ich vergangene Woche mal wieder über das schöne Thema “Total Cost of Ownership (TCO)” gestolpert (siehe auch Wikipedia). Es ging dabei um ein ERP-System, das grundsätzliche Problem ist aber immer das gleiche: die Software-Anbieter beweisen mit angeblich neutralen Berechnungen, wie effektiv das eigene System eingeführt und betrieben werden kann.
Nun tauchen aber in den Berechnungen unterschiedlicher Anbieter meist auch ganz unterschiedliche Berechnungsgrundlagen auf, wodurch eine Vergleichbarkeit i.d.R. nicht gegeben ist. Auch die gemachten Annahmen (Voraussetzungen) sind naturgemäß so gewählt, dass der jeweilige Anbieter bestens abschneidet (meist gibt es bei solchen Berechnungen ausschließlich Gewinner). Ein anerkanntes, standardisiertes Schema ist mir nicht bekannt, vielleicht kann es ein solches auch gar nicht geben, da die Voraussetzungen von Unternehmen zu Unternehmen einfach zu variabel sind.
Aus eigener Erfahrung würde ich sagen, dass eine Konzentration auf die Punkte
- einmalige Aufwände (Lizenzen, Customizing, Datenübernahme, Inbetriebnahme und Schulung) und
- fortlaufender Betrieb (Aktualisierung des Datenbestands, Softwarepflege, Support)
zu empfehlen ist – natürlich immer unter der Berücksichtigung sowohl interner (z.B. eigene Mitarbeiter) als auch externer Aufwände (Anbieter, Dienstleister). So lässt man zwar durchaus kostenrelevante Punkte wie Hardware, Energieverbrauch, Weiterentwicklungen, Funktionserweiterungen, Raumkosten etc. sowie den wichtigen Rückfluss aus Effektivitätssteigerungen kalkulatorisch außer Betracht, gewinnt aber eine wesentlich verbesserte Vergleichbarkeit. Der Einfluss pseudo-genauer Schätzwerte – an denen so lange gedreht wird, bis das passende Resultat herauskommt – wird stark vermindert. Unterm Strich steht erfahrungsgemäß ein hinreichend genauer Orientierungswert, der wirklich bei der Entscheidungsfindung helfen kann.
In meiner täglichen Praxis (Konzeption und Realisierung von Konfigurator-Lösungen) erlebe ich oft, dass besonders um Lizenzkosten gerungen wird. Dabei sind aus meiner Sicht in diesem Themenfeld vor allem die Modellerstellungs- und Aktualisierungsaufwände maßgeblich. Was nützen mir günstige Lizenzpreise, wenn ich nachfolgend mit hohem Personalaufwand das Produktmodell aktuell halten muss? Und mit jedem neuen Produkt erhebliche Zusatzaufwände entstehen? Hier kann man einem Kunden nur raten, die vorselektierten Anbieter an einem realen Beispiel beweisen zu lassen, ob das Produktmodell wirklich wirtschaftlich abgebildet und gepflegt werden kann. Denn hier trennt sich “gesamtkostenbetrachtet” meist die Spreu vom Weizen.
